Die Fortschritte in der Medizin bringen es mit
sich, daß
immer mehr Menschen Erkrankungen überleben. Nicht selten
kommt es dabei zu bleibenden Folgeschäden, so daß die
Menschen für den Rest ihres Lebens mehr oder weniger
auf fremde Hilfe angewiesen sind.
Das es ein Ziel sein sollte, diesen Patienten die
Rückkehr in ihre häusliche Umgebung zu ermöglichen, steht
außer Frage, lässt sich jedoch aus verschiedenen Gründen
nicht immer realisieren. Dennoch gibt es Beispiele, bei denen
selbst ein Folgeschaden an einem so vitalen Organ wie den
Lungen mit daraus resultierender Beatmungspflicht nicht
unbedingt einen lebenslangen Aufenthalt in Kliniken und
Heimen nach sich ziehen muß. Solche Fälle betreuen wir schon jahrelang.
Voraussetzung für diese Möglichkeit ist das
Engagement aller Beteiligten,
um den Betroffenen eine möglichst hohe Lebensqualität zu ermöglichen.
Patient Nr. 1:
P. B. (inzwischen 19 Jahre alt) kam 1987 als spontane Frühgeburt
in der 29. Schwangerschaftswoche zur Welt:
wegen fehlender Lungenreife kam es zu einer
respiratorischen Insuffizienz, weshalb unmittelbar nach der
Geburt eine Intubation und Beatmung erfolgte . Am 2.
Lebenstag wurde eine Milzruptur diagnostiziert, die eine
Splenektomie erforderlich machte. Innerhalb der ersten 4
Lebenswochen ergaben sich weiterhin folgende Diagnosen:
- Leistenhernie beidseitig
- Ligatur des Ductus botali
- Pilzpneumonie
P. erholte sich nicht mehr vollständig von den Eingriffen.
Im weiteren Verlauf seines Klinikaufenthaltes auf der
Frühgeborerenintensivstation der Uni-Klinik Tübingen,
der sich bis zu seinem 3. Lebensjahr hinziehen sollte,
ergaben sich folgende Diagnosen:
- Z.n. Hirnblutung 2. und 3. Grades mit nachfolgendem
Retardierungssyndrom
- Tracheostomie im Alter von eineinhalb Jahren
- bronchopulmonale Dysplasie 4. Grades mit sekundärer
pulmonaler
Hypertonie, corpulmonaler und persistierender
maschineller
Beatmung
- teilkompensierte Rechtsherzinsuffizienz
- operative Erweiterung des Tracheostomas 1997
Während des 1. lebensjahres wurden mehrere Versuche
unternommen, P. von der Beatmung zu entwöhnen; der
längste zeitraum ohne Beatmung betrug rund 6 Wochen in denen er ständing
auf eine O2-Zufuhr angewiesen war. Im
weiteren Verlauf war phasenweise eine Spontanbeatmung
für 1-3 Stunden am Tag möglich. Seit seinem 5. Lebensjahr
ist P. 24-Stunden am Tag beatmungspflichtig. Im Oktober
1989 kam P. nach Hause, wo er bis heute noch durch eine
examinierte pflegkraft betreut wird. Da eine Einzelperson
beim Eintreten eines Notfalls und bei bestimmten
pflegerischen Tätigkeiten nur wenig bewirken kann, ist die
ständige Gerätschaften wie Beatmungsgerät PLV 100, T-Bird
der Fa. Lifecare, O2-Meßgerät/Konzetrator,
Überwachungsmonitor erfordern Kompetenz.
(Quelle: Michael Eiden, Schwester&Pflege - Ausg.2000)
Patient
Nr. 2:
M.B., jetzt 6 Jahre alt, Diagnose: CCHS, bei uns als
Undine - Syndrom genannt. Ihm fehlt die Empfindlichkeit des
Atmungssystems CO2, und damit der Hauptantrieb der
Atmung. Dies kann zu lebensbedrochlichen Situationen,
insbesondere in ruhigen Tiefschlafphasen, führen.
M. wird nachts durch IPPV beatmet, sowie
CO2/SAO2-monitoring und eine Pflegefachkraft bewacht.
Patient
Nr. 3:
H.R., wird nach einem Hirnschlag mit Hilfe einer
Beatmungsmaschine durch einen Luftröhrenschnitt versorgt.
Bei Bedarf wird auch ein Sauerstoffkonzentrator
angeschlossen. Monitor und Oxisensorüberwachung sind
24-Stunden im Einsatz. Außer der täglichen Körperpflege,
kommen noch Absaugen des stomas, eine
magensondenbehandlung sowie Urinkatheterbehandlung
hinzu. Der Kanülenwechsel erfolgt wöchentlich. Dieser
Patient erfordert eine 24-Stunden-Betreuung.
Patient Nr. 4:
M.P. (60 Jahre) ist 24h Stunden betreut durch Fachpersonal.
Diagnosen:
- Amyotrphische Lateralskleriose mit rasch
progredientem Verlauf
- permanent beatmungspflichtig
- Pneumonie rechts basal rezdivierende paralytische
Subileus- Symptomatik unklare Genese-V.a.
- Laktose Intoleranz
- momoklonale Gammapathie IgG lambda, Auschluss
Plasmazytom bzw. NHL
- Passagere Hyponatriämie
- normozytere Anämie unklare Genese
Patient Nr. 5:
K.S. (65 Jahre) 24 Stunden durch Intensiv-Fachpersonal betreut. Der Patient ist trachetomiert und benötigt konstant zwischen 30% und 50 % O2.
Diagnosen:
- Mangelnde Funktion Enterosomie
- Dekubitus 3. Grades: Sonstiges und nichtnäher bez.
Lokalisation
- Kachexie
- Versorgung eines Tracheostomas
- Versorgung eines Gastrostomas
- Stuhlinkontinenz
- Dysphagie mit Beaufsichtigungspflicht während der Nahrungsaufnahme
- Hirninfarkt durch Thrombose zerebraler Arterien
- Vorhofflimmern: Paraxysmal
- Osteochondrodysplasie
- Bettlägerigkeit
- Langzeitige Abhängigkeit vom Rollstuhl
- Aspirationspneumonie durch Nahrung
- Harnwegsinfekt bakteriell
- Refluxösophagitis
Patient Nr.6 :
C.R. (2 Jahre altes Mädchen) im Wachkoma wird 24 Std.
betreut. Die kleine Patientin ist
tracheostomiert (Trachealkanüle 5.0mm v.Rüsch)
und permanent beatmet(Legendair Beatmungsgerät
mit PSV Beatmungsmodus). Ernährt wird sie durch eine
PEG-Sonde über Infinity Ernährungspumpe.
Sonstige Gerätschaften bei der Patientin:
Humicare 200 Luftbefeuchter,
O2-Konzentrator,
NPB290 Pulsoksimeter und Ersatz Beatmungsgerät
Legendair.
C.R. wird durch unser Fachpersonal täglich
inhaliert, mehrmals am Tag abgesaugt und therapiert:
KG, Lymphdrainage und Atemtherapie.
Besonderheiten : Plötzlicher Sättigungsabfall wo
Pflegefachkraft schnell reagieren muss mit
O2-Gabe, Lagerung, Absaugen und oft
Bebeuteln mit Ambu-Beutel+O2-Dusche solange bis
sich Sättigung wieder normalisiert.
Patient Nr.7 :
S.W.(52 J. Alt) mit Diagnose ALS bzw.
Motoneuronenerkrankung. Auch permanent
beatmungspflichtig und durch unsere
Fachpflegekräften 24 Std. betreut. Der Patient wird
über Nasenmaske beatmet(Beatmungsgerät Legendair,
Modus ASS PCV)und nach Bedarf abgesaugt.
Leistungsumfang :
Behandlungspflege : 24-Std.-Beatmungsüberwachung,
Absaugen, Inhalieren,
Dekubitusbehandlung, Injektionen, Medikamentengabe.
Grundpflege : Große Toilette, Kleine Toilette,
Hilfe bei Ausscheidungen, Mobilisation,
Lagerungen, Transfer/An-/Auskleiden,
Hilfe bei Nahrungsaufnahme.
Der Patient erhält täglich KG und Atemtherapie.
Dies sind nur einige Beispiele. Auch wurden Patienten mit
durchaus einfacheren Diagnosen und Gerätschaften betreut. |